16. April 18

Was geht denn eigentlich in den ProtagonistInnen am Haarmannsbrunnen vor?
Wie entstehen die Texte?
Lassen wir uns doch von unseren eigenen Assoziationen und Gedankenbildern inspirieren.

 

Wen möchte ich am Brunnen zu Wort kommen lassen? BrunnHilde. Das Wasser. Die Bronzefigur.
Ich schreibe die Namen auf drei Zettel. Jede bekommt so eine Figur zubestimmt.

Die Methode:

Wecker auf 5 Minuten und dann losschreiben, egal was kommt, auch wenn es sich um: “ Ich weiß nicht was ich schreiben soll. Was soll das Wasser schon denken?. Blöde Aufgabe etc.“ handeln sollte.

 

Und los!!!!!

Rausgekommen sind diese Texte:

 

 

 

BRUNNHILDE

Wie das alles geht… ??…nein – fließt …!

Ich sitze und bade meine Haare darin. Wie damals Tilly. Diese Frisur !!!

MEINE Haare sind lang, manchmal feucht, nass, mit meinem langen Zopf kann ich dann geradezu peitschen .

Die Wassertropfen stieben auseinander, von mir weg, hin zur Sonne , hin zu ihm, dem rettenden Wasserstrahl. Er wird alles heilen, bedecken, alle Fragen und Kümmernisse, die sich um das Wasser drehen, die sich IM Wasser drehe, die sich um meinen Hals drehen, bis dahin steht mir das Wasser. Ich versuche oben zu bleiben und gleichzeitig mich, meinen Hals rein zu waschen.

Es soll doch alles heile sein und schön .

Für den großen Tag. Ich kann den Regenbogen fühlen und sehen, er baut sich gerade auf, strahlt, glitzert . Hier und jetzt ist das Wasser rein. Wertvoll ist es immer. Ob es das immer bleibt? Ich rieche so oft den Schweineschlamm in ihm, sehe die alte Tüten glitzern im Meer.

 

DER BERGARBEITER

Ich bin der Arbeiter – ich stehe schon immer hier – stehe hier und werde von den meisten Menschen gar nicht richtig wahrgenommen.  Die Hälfte des Jahres bekomme ich Wasser über den Körper gespritzt – egal ob es kalt ist. Ich möchte mich auch mal wegbewegen. Vielleicht eine andere Person, eine Frau spüren.  Ab und zu gesellt sich mal jemand zu mir auf die Plattform und berührt mich, nur – ich kann nicht reagieren. Nicht mal den kleinen Zeh kann ich bewegen, dafür dürfen Alle meine Muskeln, meinen entblößten Oberkörper sehen, ob ich will oder nicht.  Ich bin zu Bronze erstarrt. Nicht mal umdrehen, oder meine Augen bewegen kann ich. Mal bekomme ich einen Schal umgelegt oder werde in ein langes Kabel gewickelt.
Sterben werde ich wohl auch nie, wobei es einmal schon kurz davor war. Da hat mich aber noch jemand auf einem Altmetallplatz in der Nähe von Brilon aufgestöbert. Eigentlich sollte ich eingeschmolzen und zur Kriegswaffe werden.

 

DAS WASSER

Wasser klar und rein. Ist ja wohl ein Witz. Hier in diesem stinkigen Brunnen. Tag ein Tag aus dasselbe – hoch pumpen, runter rauschen und wieder von vorne. Nur wenn es regnet, gibt es mal eine Abwechselung. Die Regentropfen erzählen vom großen See, von Verdunstung und dicken Regenwolken. Einige waren in dicken Wolken mit Milliarden von Tropfen. Wenn sie geplatzt sind, gab es auf der Erde eine Überschwemmung. Bei großen plötzlichen Temperaturschwankungen hat sich die Atmosphäre mit elektrischer Energie aufgeladen, dass gewaltige Blitze entstanden sind. Da war Partystimmung angesagt. Und in Kombination mit Wind oder Sturm ist der große Tanz eröffnet. Und hier im Brunnen? Tag ein Tag aus…… und der Arbeiter kommt auch nicht weiter.